Mehr als 9000 Fragen zum Thema Bioethik wurden seit Beginn des 1000Fragen-Projektes im Oktober 2002 im Internet gesammelt. Wie sollen sie beantwortet werden? Darüber wird ab sofort diskutiert.
Mehr als fünfzig Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Verbänden, Kultur und Medien haben die Patenschaft für eine Frage ihrer Wahl übernommen und begründet, warum sie diese Frage für wichtig und diskussionswürdig halten. Viele weitere Persönlichkeiten haben ihre Mitwirkung bereits angekündigt.
Keine Abstimmung, sondern ein Austausch
Nun ist die Bevölkerung aufgerufen mitzudiskutieren: Unter www.1000fragen.de kann sich jeder an dieser neuen Form "öffentlicher Kommissionsarbeit" beteiligen. Ziel der Diskussion ist keine Abstimmung, sondern ein intensiver Austausch ohne Entscheidungsdruck: Welche Fragen brauchen eine eindeutige Antwort? Auf welche Fragen gibt es mehrere Antworten? Welche Fragen beantwortet man lieber gar nicht? Gibt es gemeinsame Antworten, Kompromisse? Und: Gibt es Fragen, bei denen sich schon die Diskussion verbietet?
Anfang August soll der Diskussionsverlauf aller Foren in Dossiers zusammengefasst werden. Die Ergebnisse sollen - wie bereits in der ersten Projektphase - in einem Buch dokumentiert und veröffentlicht werden.
Plakate, Anzeigen und Spots informieren die Öffentlichkeit
Um über die Fortsetzung des Projektes zu informieren, startet die Aktion Mensch eine breit angelegte Informationskampagne. Auf Großflächenplakaten werden insgesamt zehn Fragen, die im 1000Fragen-Projekt gestellt wurden, in die Öffentlichkeit zurückgespielt. Print-Anzeigen erscheinen in zahlreichen überregionalen Zeitungen und Zeitschriften.
Sie zeigen prominente Paten, wie Wolfgang Thierse, Heiner Geissler oder die Bischöfin Margot Käßmann, die zur Diskussion einladen. Ausserdem laufen zwei Kinospots an, in denen die Schauspieler Dietrich Mattausch und Dominique Horwitz in der Rolle von Lehrern bzw. Professoren ihrem "Publikum" einige interessante Fragen stellen.
Ein breit angelegter Meinungsbildungsprozess
Das 1000Fragen-Projekt wurde im Oktober 2002 mit dem Ziel gestartet, einen breiten Meinungsbildungsprozess zu bioethischen Themen anzustoßen. Mit Plakaten, Anzeigen und Kinospots forderte die Aktion Mensch die Bevölkerung in Deutschland dazu auf, die Debatte über Bioethik nicht nur Politikern und Wissenschaftlern zu überlassen, sondern ihre eigenen, ganz persönlichen Fragen zu stellen.
Denn die Entwicklungen in den Biowissenschaften und der Medizin drängen die Politik zu weitreichenden Entscheidungen. Forschung an Embryonen, vorgeburtliche Diagnostik, Chancen und Risiken der modernen Medizin, gar Sterbehilfe: Bioethik erstreckt sich von der Verfügbarkeit menschlichen Lebens noch vor der Geburt bis zum Umgang mit alten und sterbenden Menschen. Sie stellt sowohl die Frage nach unserer Identität als auch nach unserem Selbstverständnis als Gesellschaft. Besonders betroffen von dieser Debatte sehen sich Menschen mit Behinderungen, denn auch alte Träume von der Perfektionierung des Menschen werden wieder wach. Wie wir mit den Entwicklungen in den Biowissenschaften und der Medizin umgehen möchten, kann nur auf der Grundlage eines breit angelegten öffentlichen Meinungsbildungsprozesses entschieden werden. Schließlich berühren diese Entscheidungen zentrale Fragen unseres Menschenbildes und die Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.
Hintergründe und Zwischenergebnisse
Zentrale Kommunikationsplattform des 1000Fragen-Projektes sind die Internetseiten unter www.1000fragen.de. Inzwischen haben mehr als 500.000 Menschen diese Seiten besucht und mehr als 9.000 Fragen und 35.000 Kommentare hinterlassen. Sämtliche Fragen des 1000Fragen-Projektes sowie ausgewählte Kommentare sind im September 2003 als Buch erschienen ("Was wollen wir, wenn alles möglich ist? Fragen zur Bioethik", Deutsche Verlagsanstalt DVA, 19,90 €).
Das Buch wurde am 24. September 2003 in der "Nacht der 1000 Fragen" im Deutschen Historischen Museum in Berlin an führende Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft übergeben:
Wolfgang Thierse (Präsident des Deutschen Bundestages), Prof. Dr. DRS. H.C. Spiros Simitis (Vorsitzender des Nationalen Ethikrates), René Röspel (Vorsitzender der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages "Ethik und Recht der modernen Medizin), Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker (Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft) sowie Dr. Ricardo Gent (Geschäftsführer der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie).
Außerdem wurde das Buch sämtlichen Mitgliedern des Deutschen Bundestages, den Redaktionen aller überregionaler Medien sowie wichtigen Wissenschaftseinrichtungen zugesandt.
Ausblick
Auch in der Wissenschaft findet das 1000Fragen-Projekt Interesse. An der Universität Köln wird derzeit ein Forschungsprojekt vorbereitet, das die zusammengetragenen Fragen aus partizipationstheoretischer und wissenssoziologischer Sicht untersuchen wird. Es soll unter anderem Antworten auf die Frage geben: "Wer fragt im 1000Fragen-Projekt was wen auf welche Weise mit welcher Wirkung?". Das Forschungsprojekt soll im September starten.




